Neues Projekt „Hausaufgabenhilfe für Kinder zugewanderter Familien“ an der Stadtallendorfer Bärenbachschule

Hausaufgabenhilfe fördert Sprachkompetenz und öffnet Türen zur schulischen Entwicklung

– Pressemeldung vom 22.04.2009

Marburg-Biedenkopf – Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern und Peter Thoene von der Bildungspolitischen Initiative e.V. (bipoli) haben am Mittwoch in der Stadtallendorfer Bärenbachschule das neue Förderangebot „Hausaufgabenhilfe für Kinder zugewanderter Familien“ vorgestellt. Ein Schwerpunkt der Hausaufgabenhilfe ist die sprachliche Förderung der Kinder. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration öffnet die Türen zu einer schulischen und beruflichen Entwicklung. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns darum kümmern und den Kindern bei ihrer sprachlichen Entwicklung Hilfestellung geben“, betonte Dr. McGovern.

Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern (Mitte) schaute sich interessiert an, was die Kinder in Stadtallendorf während der Hausaufgabenhilfe machen. (Foto: Landkreis)

Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern (Mitte) schaute sich interessiert an, was die Kinder in Stadtallendorf während der Hausaufgabenhilfe machen. (Foto: Landkreis)

Der Verein bipoli.eV. organisiert in Zusammenarbeit mit dem Büro für Integration des Landkreises Marburg-Biedenkopf seit 1994 an mehreren Schulen des Landkreises das gebührenfreie Förderangebot der „Hausaufgabenhilfe“ für die Kinder von zugewanderten Familien. An den Standorten Neustadt (Grundschule), Stadtallendorf (Süd- und Waldschule, Georg-Büchner Gesamtschule, Bärenbach- und Nordschule), Kirchhain (Grundschule), Dautphetal (Mittelpunktschule) und Biedenkopf (Grundschule) werden für etwa 250 ausländische, ausgesiedelte und deutsche Kinder in über 35 Lerngruppen differenzierte Unterrichtskonzepte zur Verbesserung der Bildungsbeteiligung angeboten.

Auf Anfrage der Stadtallendorfer Grundschule I im Schuljahr 2007/2008 wird nach gemeinsamen Planungen des Landkreis Marburg-Biedenkopf (Büro für Integration), bipoli e.V. und Grundschule I das Förderangebot der Hausaufgabenhilfe im aktuellen Schuljahr aufgebaut. „Mit Beginn des Schuljahres 2008/2009 konnten hier erstmalig zwei Fördergruppen für das erste und zweite Schuljahr für die Kinder der Bärenbach- und Nordschule angeboten werden“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete. Um den Bedarf in den dritten Klassen zu decken, sei nach den Herbstferien 2008 eine weitere Gruppe eingerichtet worden.

„Zur Vervollständigung des Angebotes kam am 16. März 2009 die Einrichtung einer weiteren Gruppe für die vierten Klassen hinzu. Damit ist es gelungen, innerhalb des Zeitraums von einem halben Jahr eine komplette Abdeckung aller Jahrgangsstufen zu realisieren und die Hausaufgabenhilfe in die Förderstruktur der G I einführen“, stellte Dr. Karsten McGovern fest. „Das Angebot wird aktuell von rund 30 Kindern am Standort Bärenbachschule besucht“, ergänzte Claus Schäfer vom Büro für Integration des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Die Hausaufgabenhilfe findet an der Grundschule I zwei Mal in der Woche am Nachmittag jeweils drei Schulstunden (Montag und Mittwoch, 14.30 Uhr bis 16.45 Uhr) in den Räumen der Bärenbachschule statt. „Das Konzept beinhaltet ein mehrstufiges Unterrichtsmodell und verfolgt mehrere Zielen“, erläuterte Peter Thoene.

Im ersten Teil finden die Sprachförderung mit gezielten Übungen zur Verbesserung der Zweitsprache Deutsch und Übungen zur Erweiterung der Lesekompetenz statt. Dies dauert etwa 30 Minuten. In der Hausaufgabenphase werden bei Bedarf die aktuellen Unterrichtsinhalte des Vormittags geübt und wiederholt. Die Kinder können sich dabei auch auf Klassenarbeiten in Deutsch, Mathematik und Sachkunde vorbereiten. Diese Phase dauert 60 bis 90 Minuten. Die dritte Phase sieht Bewegungsangebote und Angebote zum sozialen Lernen vor und dauert 15 bis 30 Minuten.

Ein Schwerpunkt der Hausaufgabenhilfe ist die Sprachförderung, die am Anfang des Unterrichts steht. In einer 30-minütigen Aktivphase wird mit der Zweitsprache Deutsch gearbeitet. Hier finden Übungen zur Erweiterung und Festigung des Grundwortschatzes zu ausgesuchten Themenfeldern in einem kommunikativen Rahmen mit vielen unterschiedlichen Methoden statt. „Zu den Themen gehört zum Beispiel das Thema Körper“, erläuterte Peter Thoene. „Kindern mit Migrationsgeschichte fehlen häufig unsere Begriffe für Körperteile. Für sie ist dann alles von der Schulter bis zu den Fingern die Hand“, so Thoene weiter. Spielerisch und mit verschiedenen Methoden – zum Beispiel mit Bildern – würden dann nach und nach Begriffe wie Ober- oder Unterarm in den Wortschatz eingebracht. „Dabei wird vor allem gesprochen – denn Sprache lernt man durch sprechen“, so Thoene. Daneben werden ausgesuchte Grammatikschwerpunkte, die eine verstärkte Bearbeitung und Dauer benötigen, bearbeitet.

Neben der Sprachförderung besitzt das Lesen einen sehr hohen Stellenwert. Kleinere literarische Texte, Sachtexte und für diese Phase durch uns konzipierte Vorschläge zur Arbeit mit Kinderbüchern (z.B. „Primel“, „Der Maulwurf Grabowski“, „Hermann im Mond“) bilden die Grundlage für eine schrittweise Steigerung der Fähigkeit Texte zu erlesen, zu verstehen, sie zu bewerten und mit eigenen Erfahrungen verknüpfen zu können.

Die Phase angeleiteter Bewegungsspiele dient dazu, die motorischen und koordinativen Fähigkeiten erweitern, dem sozialen Lernen und den Kindern nach einem anstrengenden Unterrichtstag die notwendige Bewegungszeit ermöglichen. Angeboten wird dieses Programm zweimal in der Woche.

Die Mitarbeiterinnen in diesem Arbeitsfeld sind nebenberuflich tätig und kommen aus der Lehrerausbildung und den universitären Studienbereichen Pädagogik und Psychologie. Sie werden in Einführungsseminaren theoretisch und praktisch auf ihren Einsatz vorbereitet, müssen eine Prüfung ablegen und werden während ihrer Tätigkeit laufend durch die hauptamtlich pädagogischen Koordinatoren des Vereins bipoli, die für Organisation und Konzeption zuständig sind, fortgebildet.

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